Die Gesamthärte im Süßwasseraquarium senken

Auf den Begriff der Wasserhärte stößt jeder Aquarianer früher oder später. Gerade dann, wenn es darum geht, den Fischbesatz auszuwählen, wird der speziell der Gesamthärte eine besondere Bedeutung zugerechnet. Was ist aber die Gesamthärte? Wie kann man sie senken oder erhöhen? Welche Rolle spielt sie im Aquarium? Diese und weitere Fragen soll diese Artikelreihe beantworten.

In anderen Artikeln haben wir uns bereits damit befasst, was die Gesamthärte ist, wie die Gesamthärte gemessen wird und wie man sie im Süßwasseraquarium erhöhen kann. Hier soll es nun darum gehen, die Gesamthärte gesenkt wird.

Gesamthärte senken durch Verschneiden

Die Gesamthärte senken wir zuverlässig, indem wir Leitungswasser mit Wasser mit weniger gelösten Salzen mischen (verschneiden). Dazu geeignet sind vollentsalztes Wasser, welches man auch zum Beispiel im Supermarkt als „destilliertes Wasser“ kaufen kann, RO-Permeat („Osmosewasser“) und bei guter Qualität auch Regenwasser.
Das Mischungsverhältnis für das gewüschte Ergebnis kann man in einem einfachen Dreisatz errechnen.

Torffilterung

Beim Einsatz von Torf ist immer auch dessen ökologische Brisanz zu berücksichtgn.Zur Gewinnung von Hochmoortorf müssen Moore trockengelegt werden, was die Zerstörung dieser Lebensräume bedingt.
Hochmoortorf ist ein er, schwach-saurer Kationentauscher. Je nach Qualität hat ein Liter Torf eine Kapazität um 250 Härteliter, wobei Schwankungen zwischen 200 und 300 Härteliter normal sind.
Mit einem Liter Torf kann man also die Gesamthärte von 200 bis 300 Liter Wasser um 1°d senken. Äquivalent dazu gilt, dass man ebenso die Härte von 20 bis 30 Liter Wasser um 10° d senken kann. Die als Ionentauscher aktiven Komponeten dabei sind Polygalacturonsäuren in der Zellwand. Sie ermöglicht es den Torfmoosen der Gattung Sphagnum durch Ionentausch auch aus den, nur durch Regen gespeisten und somit extrem nährstoffarmen, Hochmooren Nährstoffe aufzunehmen. Im Tausch gegen, beispielsweise, NH4+ Ca2+, K+, Na+ und Mg2+-Ionen werden äquivalent, also der Ladung entsprechend, Protonen (H+, Wasserstoffionen) an das Wasser abgegeben. Die Torfmoose schaffen so ein sehr saures Milleau, in dem sie, im Gegensatz zu vielen konkurrierenden Arten, überlebenen können.
Diese Eigenschaft des Torfmooses macht man sich in der Wasseraufbereitung zunutze.
Die freigegebene Wasserstoffionen reagieren mit Carbonat- und Hydrogencarbonat-ionen, also der „Karbonathärte“, die dadurch gesenkt wird. Die Gesamthärte kann maximal um den Anteil der Karbonathärte (im eigentlichen Sinne) gesenkt werden.
Torfwasser wirkt nicht nur durch seinen niedrigen pH-Wert, sondern auch durch die enthaltene Fulvosäure sowie Tanninen bakteriozid, also bakterientötend. Ausgeschwemmte, aber unlösliche Huminstoffe wirken des Weiteren als Puffer im Mulm. Auch bereits sehr weiches Regenwasser wurde und wird so aufbereitet, damit es trotz fehlendem Carbonatpuffers einen stabilen pH-Wert im sauren Bereich, um etwa pH 5, erhält.
Ein effektiver Weg, um größere Wassermengen innerhalb eins kurzen Zeitraums mit Torf aufzubereiten ist die Torfkanone. Dabei handelt es sich im Grunde um langes Rohr mit Siebeinsatz und Bohrungen am Ende, welches mit Torf gefüllt wird.
Das in das senkrecht stehende Rohr von oben eingefällte, aufzubereitende Wasser durchläuft eine lange Strecke durch den Torf und wird so aufbereitet. Das aufbereite Wasser fließt am unteren Ende wieder heraus und kann aufgefangen werden. Für einen solch großen Bedarf an Torf sind die üblichen Kleinpackungen im Zoohandel ungeeignet beziehungsweise würden immense Kosten bedeuten und diese Methode unwirtschaftlich machen. Für solche Zwecke eignet sich ungedüngter Torf, beispielsweise Floragard Torfboy.

Gesamthärte durch Kochen senken

Die Gesamthärte lässt sich durch Kochen um den Teil der echten Karbonathärte senken. Beim Erhitzen wird das CO2 ausgetrieben, welches notwendig ist, um die Carbonate in Lösung zu halten. Infolge fallen sie als Kesselstein (Calcium- und Magnesiumcarbonat) aus, was durch einen grälichen Belag erkennbar ist. Kesselstein ist das, was Wasserkocher, Kaffeemaschinen und Durchlauferhitzer verkalken lässt.
Dieses Verfahren ist jedoch zu energieintensiv und für die Aquaristik unpraktisch in der Anwendung.

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