zoologische Nomenklatur: Regeln bei der wissenschaftlichen Benennung von Fischarten

Dieser Artikel widmet sich den Grundlagen der binominalen Nomenklatur sowie ihrer grammatikalischen Regeln auf der Gattungs- und Artebene am expliziten Fall der zoologischen Nomenklatur. Dabei werden als Beispiele Süßwasserfische verwendet, die als Heimtiere in der Aquaristik gepflegt werden.

Oft taucht die folgende Frage in Foren, Newsgroups oder bei Gesprächen mit anderen Aquarianern auf: Wozu immer diese komplizierten lateinischen Namen ?. Was nutzen die lateinischen Fischnamen dem Aquarianer?
Die lateinischen Namen sind, um es genau zu nehmen, oft gar nicht (nur) lateinisch. Die wissenschaftlichen Artbezeichnungen setzen sich hauptsächlich aus lateinischen und altgriechischen Wortstämmen zusammen, teilweise sind es auch latinisierte Begriffe anderer Sprachen.
Im Gegensatz zu Populärnamen sind die wissenschaftlichen Namen absolut präzise. Allein im deutschen Sprachraum existieren für einige Fischarten verschiedene Populärnamen. Manche Populärbezeichnungen werden für mehr als eine Art verwendet. Hinzu kommen noch diverseste Fantasienamen des Handels. Ein Fisch mit interessantem Namen verkauft sich eben besser. Im internationalen Gebrauch wird man mit deutschen Populärbezeichnungen dann gar nicht mehr weiterkommen. Bei Problemen oder auf der Suche nach Informationen (auch mit Suchmaschinen im Internet) wird man mit einem wissenschaftlichen Namen immer besser, ausführlicher und schneller Ergebnisse erhalten.
Dabei kann es auch nützlich sein Synonyme zu kennen, da auch im relativ plastischen und schnell reagierenden Internet die Übernahme aktueller Systematik eher schleppend vor sich geht und HobbyistInnen auch oft gewohnheitsmäßig schon lange veraltete Bezeichnungen verwenden.
Aquarienfischen mit ihren korrekten wissenschaftlichen Bezeichnungen anzusprechen stellt für viele Aquarianer ein großes Problem dar. Das liegt oft schon an den fremdartigen Altsprachen Latein und Altgriechisch, aus denen sich die wissenschaftlichen Bezeichnungen meist zusammensetzen. Sie sind jedoch für eine eindeutige Kommunikation und Informationssuche unerlässliche Hilfsmittel.
Obwohl sie den gleichen Grundlagen folgen, gibt es einige Unterschiede zwischen der botanischen, mikrobiologischen und zoologischen Nomenklatur. Hier soll aber nur die zoologische Nomenklatur behandelt werden.

wissenschaftliche Artbezeichnungen bestehen aus zwei Teilen: Gattungsnomen und Artepitheton

Wenn eine Art neu beschrieben wird (wissenschaftliche Erstbeschreibung), so erhält sie vom Autor einen wissenschaftlichen Namen, der auf der binominalen oder auch binären Nomenklatur Carl von Linnés (lat. Linneaus) aufbaut. Linné verwendete die binominale Nomenklatur das erste Mal in seinem Werk Species plantarum aus dem Jahre 1753, welche er in einem weiteren Werk, Systema naturea 1758 weiterverfolgte und konkretisierte.

„The date 1 January 1758 is arbitrarily fixed in this Code as the date of the starting point of zoological nomenclature.“

[INTERNATIONAL CODE OF ZOOLOGICAL NOMENCLATURE online, Chapter 1, Article 3.]

1758 gilt daher als das offizelle Einführungsjahr der binominalen Nomenklatur, auch wenn schon vorher andere Autoren vereinzelt Arten nach diesem Prinzip benannten. Da sie damaligen Wissenschaftssprachen Latein und Griechisch waren, verfasste Linn&eacute, seine Werke in lateinischer Sprache. Demnach sind auch seine binominalen Artbezeichnungen aus griechischen und lateinischen Wortstämmen aufgebaut gewesen.
Wissenschaftliche Artbezeichnungen bestehen immer aus mindestens zwei Teilen, sind also binominal oder binär. Der vordere Teil gibt die Gattungszugehörigkeit (Nome) an, der hintere die Art (Artepitheton). Der Artname setzt sich also aus Gattungsnomen und Artepithet zusammen, zum Beispiel Xiphophorus hellerii.
Wissenschaftlich korrekt müssen wissenschafliche Artnamen von den Stufen der Unterart bis hin zur Gattung aus dem Text hervorgehoben werden, in der Regel geschieht dies durch kursive Schreibweise. Bei handschriftlich verfassten Werken werden sie dagegen unterstrichen. In Überschriften ist dies allerdings nicht notwendig, da hier eine ausreichende Hervorhebung aus dem Fließtext vorliegt. Höhere systematische Stufen wie Familie, Ordnung oder Stamm werden im Schriftbild dagegen nicht hervorgehoben.
Dem Taxon folgt der Familienname des Autors und das Jahr der wissenschaftlichen Erstbeschreibung. Der Name des Autors wird dabei oft in Kapitälchen gesetzt. Für einige Autoren gibt es intenational anerkannte Kürzel, zum Beispiel L. für Linné beziehungsweise Linnaeus. Stehen Autor und Jahreszahl im Klammern, weist das darauf hin, dass die Art in der Erstbeschreibung einer anderen Gattung zugeordnet wurde.

unterschiedliche Typen von Gattungsnomen und Artepithet

Das Artepitheton beschreibt oft eine bestimmte Eigenschaft der Art, wie die Zeichnung, die Bezahnung oder andere morphologische und auch ethologische Merkmale. Hierbei finden sowohl adjektivische (zum Beispiel argenteus = silbern) als auch substantivische (zum Beispiel tetracanthus = die vier Stacheln) Worte Verwendung. Oft wird das Artepithet auch aus der terra typica abgeleitet. Die terra typica ist der Fundort, von dem die der Beschreibung zugrunde liegenden Exemplare (Typusexemplare) stammen. Zum Beispiel bei Heros nicaraguensis, dessen Typusexemplare aus dem Nikaragua-See stammen oder Amphilophus xiloaensis, einem erst kürzlich beschriebenen Buntbarsch aus dem Kratersee Lago Xiloa in Nikaragua.
Das Artepitheton kann auch eine Widmung (Dedikation, auch Patronym) sein, wie bei Parachromis loisellei. Die Bennenung ist de amerikanischen Ichthyologen Paul V. Loiselle gewidmet. Artnamen, die eine solche Dedikation darstellen, sind der Genitiv des Vor- oder Familien- oder vollständigen Namens und enden bei weiblichen Empfängern auf ae bei männlichen auf i.
Bei Beschreibungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert findet man hierbei meist die Endung ii, da es damals üblich war den Namen erst zu latinisieren (zum Beispiel Friedrichsthali von Friedrichsthal) und davon den Genitiv (friedrichsthalii) zu bilden.
Geht die Dedikation zu Gunsten mehrerer männlicher Personen, so endet das Artepitheton auf orum, wie bei Cichlasoma hogaboomorum, bei mehreren weiblichen Personen auf arum.
Es gibt auch einige wenige Ausnahmen von dieser Regel, wie zum Beispiel Heros festae Boulenger, 1899. Die Art ist nach dem Sammler der Typusexemplare, dem Italiener Enrico Festa benannt. Obwohl es sich hier um die Widmung für einen Mann handelt, muss das Artepethiton auf ae enden, da die Endung a in der lateinischen Grammatik weiblich ist.
Allerdings ist nicht jedes Artepithiton, welches auf ae endet, eine Widmung. So ist weist Synodontis tanganyicae auf die Herkunft aus dem Tanganyika-See hin und ist nicht einer Person dieses Namens gewidmet.
Widmungen gibt es aber nicht nur beim Artepitheton sondern auch beim Nomen, dem Gattungsnamen. Gattungen, die zu Ehren einer Person benannt werden, sind meist weiblichen Geschlechts.Beispiele sind zum Beispiel Maylandia, eine Gattung ostafrikanischr Cichliden, benannt nach Hans-Joachim Mayland, Verfasser vieler aquaristscher Bücher und Artikel. Bei Alfaro Hubbs, 1930, einer aus zwei Arten bestehenden Gattung Lebendgebährender Zahnkarpfen, wurde der Familienname von Dr. Ernesto Alfaro direkt übernommen.
Sowohl der Gattungsname als auch das Artepithiton können bei Dedikationen lediglich den Vor- oder Familiennamen als auch den vollständigen Namen verwenden. Beispiele sind Aulonacara hansbaenschi (Meyer, Riehl & Zetsche, 1987) oder Aulonacara jacobfreibergi (Johnson, 1974).

Veränderungen

Der wissenschaftliche Name (Taxon) der Erstbeschreibung wird in der zoologischen Nomenklatur als “ursprüngliche Schreibweise“ oder “ursprüngliche Kombination“ bezeichnet, alle folgenden Beschreibungen der selben Art sind Synonyme. In der botanischen Nomenklatur wird das Taxon der Erstbeschreibung als Basionym bezeichnet.
Wenn die Art bei einer taxonomischen Neuordnung (Revision) in eine andere, möglicherweise neu aufgestellte, Gattung verlegt wird, so bleibt das Artepitheton erhalten. Es sei denn es stellt sich im Verlauf der Revision heraus, dass ein anderes Artepithet vorrangige Gültigkeit hat. Das Artepitheton wird nur gegebenenfalls im Geschlecht an den Gattungsnamen angepasst. Vor allem im Intenet, aber auch teilweise in der Literatur, werden zwar die neuen Gattungsnamen recht schnell übernommen, das Artepitheton wird aber nicht immer im Geschlecht an das Nomen angepasst, obwohl es notwendig wäre.
Handelt es sich bei dem Artepitethon um einen Dedikationsnamen, bleibt er aber gleich: Cichlasoma (neut.) LoiselleiParachromis (mask.) loisellei oder Cichlasoma vombergaeNandopsis vombergae
Ist das Artepitithon adjektivisch, also um ein Eigenschaftswort, wird es aber im Geschlecht an den Gattungsnamen angepasst. Bei sächlichem (neutrum) Gattungsname wie Cichlasoma endet es auf -um, bei weiblichen (feminin) wie Vieja auf -a und bei männlichen (maskulin) wie Paratheraps auf -us.
Beschreibt das Artepitheton die terra typica, so endet es bei sächlichen Gattungsnamen auf -se, bei weiblichen und männlichen aber gleichermaßen auf –is
Bei substantivischem Artepitheton ändert sich es nicht, auch wenn sich das Geschlechts der Gattung ändert.Beispiele sind spilurus, uropthalmus oder tetracanthus.

Synonyme und verwaiste Arten

Damit wissenschaftliche Artnamen der Eigenschaft der Eindeutigkeit entsprechen, müssen bei der Vergabe der Bezeichnungen Regeln beachtet werden. Das Artepitheton darf mehrfach verwendet werden, sofern es sich nicht um Arten der selben Gattung handelt. Das Gattungsnomen darf dagegen nur einmal innerhalb der zoologischen Nomenklatur verwendet werden, um ebenfalls eine eindeutige Bezeichnung der jeweiligen Gattung zu ermöglichen. Allerdings können gleiche Gattungsnomen in der botanischen Nomenlatur parallel existieren.
Im Gegensatz zur botanischen Nomenklaturdürfen in der zoologischen Nomenklatur Nomen und Artepitheton gleich lauten. Es kommt vor, dass Arten mehrfach beschrieben werden. Das kann daran liegen, dass zwei oder mehr Autoren eine Art irrtümlich als bisher unbeschrieben ansehen oder dass mehrere Standortvarianten (Lokalformen) oder Morphe einer Art als eigenständig angesehen wurden. Nicht selten wurden auch die beiden Geschlechter einer Art mit starken Sexualdimorphismus als eigenständig beschrieben.
Es ;hlt prinzipiell der Name der Beschreibung die als erstes publiziert wurde. Moderne Erstbeschreibungen sollten in einem intenational verfügbaren, wissenschaftlichen Fachjournal erscheinen. Allerdings gibt es auch anerkannte Erstbeschreibungen von Fischen aus aquaristischen Zeitschriften und Magazinen wie Vieja argentea Allgayer, 1991, die in der Verbandsschrift der Revue Francaise des Cichlidophiles, erschien. Dabei gilt es noch weitere Kriterien zu beachten, die in intenational gültigen Regularien des „International Code of zoological Nomenclature“ (ICZN) festgelegt sind.
Die Doppelbenennungen von Arten nennt man Synonyme. Man findet dafür oft folgende Schreibweise: Heros octofasciatus Regan, 1903; Synonym (oder Syn.) Cichlasoma biocellatum Regan, 1909
Wenn dieser Name in Klammern () steht, bedeutet das, dass die Gattungszugehörigkeit der Art seit der Erstbeschreibung geändert wurde beziehungsweise dass die Art ursprünglich einer anderen Gattung zugeordnet wurde.Das Epitheton der Erstbeschreibung bleibt immer gleich und wird nur falls erforderlich im Geschlecht, sächlich oder neutrum (neut.) weiblich oder feminin (fem.) beziehungsweise männlich oder maskulin (mask.) dem Nomen angepasst, auch wenn sich der Sinn später als falsch oder undeutlich herausstellt oder ein anderer passender wäre.
Es gibt aber auch Ausnahmen, bei , welcher der Name der Art beibehalten wird, obwohl eine Beschreibung früheren Datums die Art anders benennt und daher eigentlich vorrangig wäre. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass sich der bisherige Artname intenational eingebürgert hat, so geschehen bei Parachromis managuensis, der eigentlich Parachromis gulosus heißen müsste.
Parachromis gulosus Agassiz, 1859 = Heros managuensis Günther, 1862 = Parachromis managuensis (Günther, 1862)
Bei solchen Streitfällen ist die intenationale Kommission für zoologische Nomenklatur ICZN zuständig, die über diese zu beraten hat.
Neben den Synonymen gibt es auch die Pseudonyme. Im Gegensatz zu den Synonymen, die durch (vermeintliche) Erstbeschreibungen entstehen, handelt es sich bei den Pseudonymen um (vorgeschlagene) Verschiebung einer Art in eine andere Gattung, die sich aber nicht durchsetzen konnte oder nicht mehr dem neuesten Stand entspricht.Diese Vorschläge wurden aber verworfen oder auch aus formalen Gründen für ungültig erklärt.Insbesondere bei den Buntbarschen Mittelamerikas gibt es recht einige Pseudonyme, da nach der Beschränkung der Gattung Cichlasoma auf südamerikanische Arten um Cichlasoma bimaculatum viele Arten ohne Gattungszugehörigkeit standen.
Gattungsnamen in „ “ sind nicht mehr gültig, die Art hat aber zu diesem Zeitpunkt noch keine Neuzuordnung erhalten.
Das findet man beispielsweise bei einigen ehemaligen Geophagus, Aequidens und natürlich Cichlasoma.Die Arten wurden zuvor den Gattungen zugeordnet, sind aber nach der Revision ausgesondert worden, sie stehen bis auf weiteres quasi verwaist, ohne Gattungszugehörigkeit.

  • Präzedenz-Prinzip: Es ist die wissenschaftliche Bezeichnung gültig, welche für die Art zu erst gültig veröffentlicht wurde.
  • Daraus ergeben sich auch Autor und Jahr der Erstbeschreibung
  • verbesserte wissenschaftlichze Erkenntnisse fließen später vor allem in Änderungen des Gattungsnomens ein
  • ändert sich das Geschlecht des Gattungsnomens, muss dies bei adjektivischen Artepitheten berücksichtig werden

Auch kleine Unterschiede haben große Bedeutung

Im Jahr 2004 stellte Costa (Costa, 2004) die Gattung Cryptolebias für; einige eierlegende Zahnkarpfen aus dem karibischen Raum auf, welche zuvor der umfangreichen Gattung Rivulus zugeordnet worden waren.
Das Taxon Cryptolebias war jedoch bereits vergeben, weil einen fossilen Zahnkarpfen mit diesem Namen beschrieben hatte.
Das Taxon Cryptolebias musste deshalb durch Anpassung der Schreibweise zu Kryptolebias abgewandelt werden (Costa, 2004a).
Ein vergleichbares Beispiel ist auch die Kontroverse um die korrekte Schreibweise der Zwergcichliden-Gattung Mikrogeophagus.
Auch kleine Formalkriterien sind in der biologischen Nomenklatur bedeutend.

Abkürzungen

Die binäre Nomenklatur wird noch durch einige Abkürzungen ergänzt:Die Abkürzung spec. aff. bedeutet, dass es sich um ein mit einer wissenschaflichen beschriebenen Art vergleichbares Tier handelt, bei dem es sich aber wahrscheinlich um den Vertreter einer anderen, noch nicht beschriebenen, aber ähnlichen, verwandten, Art handelt.cf. oder conf. beschreibt ein Tier, das mit einer wissenschaftlich beschriebenen Art vergleichbar ist, aber dennoch gewisse Abweichungen aufweist, die Artzugehörigkeit ist also unsicher. Die Abkürzung steht dabei für confer! (Imperativ) von lateinisch conferre = vergleichen.
Es handelt sich also um ein Tier, das mit einer bekannten Art vergleichbar ist, aber dennoch wahrscheinlich dieser angehört.Die beiden Abkürzungen cf. und spec. aff. werden häufig in ihren Bedeutungen verwechselt.spec. beziehungsweise sp. beschreibt ein Tier, das mit Sicherheit einer Gattung zugeordnet werden kann, dessen Artzugehörigkeit aber nicht bestimmt werden kann.
Das kann daran liegen, dass genauere Ergebnisse erforderlich sind, als es eine äußere morphologische Untersuchung am lebenden Tier ermöglicht oder dass es sich um eine neue, bisher unbeschriebene Art handelt
Dies kann noch mit dem Fundort, Farbvariante oder anderen Zusätzen versehen werden.Vieja spec. „
Coatzacoalcos“ beschreibt also einen bisher noch nicht wissenschaftlich beschriebenen Vertreter der Gattung Vieja aus dem Rio Coatzacoalcos.
Dabei kann der Artstatus später sowohl bestätigt als auch negiert werden.
spp. wird dagegen als Stellvertreter für alle Arten der Gattung verwendet, denn spp.= Spezies, ist Plural, also Mehrzahl.var. steht für Variation. Im allgemeinen wird dieser Zusatz zur Verdeutlichung der Thematisierung von Standortvarianten oder Zuchtformen angewandt. Da es zumindest in der zoologischen Nomenklatur keine genaue Definition der Verwendung des Begriffs Varietät gibt, ist die Verwendung eher selten anzutreffen.
ssp. ist die Abkürkzung von Subspezies, also Unterart. Eine Unterart ist trinominal, besteht also aus drei Namensbestandteilen: Dem Gattungsnomen, dem Artepitheton und dem Unteratepitheton.

intraspezifischen Stufen

Intraspezifsche Stufen, wie Varietät und Form werden in der zoologischen Nomenklatur kaum noch gebraucht. Einzig die systematische Stufe der Subspezies kommt gelegentlich noch in Verwendung, besonders bei geographisch und auch genetisch deutlich separierten Vorkommen. Generell sind Abstufungen unterhalb des Artstatus schwierig vorzunehmen, bevorzugt bei geographisch abgrenzbaren und in den aüßerlichen Merkmalen vom Arttypus abweichenden Eigenschaften.

Hilfsmittel für Nomenklatur und Taxonomie im Internet

Damit man als AquarianerIn taxomomische und nomenklatorische Fragen beantworten kann, bietet das Internet zwei sehr nützliche Werkzeuge. Zum einen ist das der Catalogue of Fishes von William N. Eshmayer auf der Website der California Academy of Sciences (CAS Catalogue of Fishes). Der Cataloge of Fishes erlaubt es, Autor, Jahr und Titel der wissenschaftlichen Erstbeschreibung einer Fischart zu erfahren, sowie die aktuell gültige Bezeichnung herauszubekommen.
Zum anderen ist dies die ichtyologische Datanbank Fishbase mit umfangreichen Informationen, beispielsweise Literaturlisten. Beide sind in den externen Links zu themenrelaventen Internetangeboten aufgeführt.

Nachtrag

Linne entwickelte sein System zur Benennung und Einordnung der Lebewesen, als man noch von der Konstanz der Arten ausging. So wie sie Gott laut dem Schöpfungsmythos im ersten Kapitel des Buches Genesis in der Bibel durch spezielle Schöpfung geschaffen hatte.
Durch die immer unfangreicher werdenden Erkenntnisse molekularbiologischer und genetischer Untersuchungen haben sich immer mehr Probleme ergeben, die klassische binominale Nomenklatur Linnés mit dem Ziel einer phylogenetischen, also die natürlichen, evolutionsbedingten Verwandschaftsbeziehungen der Lebewesen wiederspiegelnden Systematik, zu vereinigen.
Mit der von Darwin in seinem Werk „On the Origin of Species by natural selection“ erstmals weitgehend stichhaltig belegten Entstehung von Arten durch rein natürliche Prozesse, wie der natürlichen Auslese, wurde die theistische Schöpfungslehre, trotz anfänglich mitunter erheblichen Widerstands, von der Wissenschaft verworfen.
Diese ursprüngliche, darwininsche Evolutionstheorie durch natürliche Auslese entwickelete sich über die neodarwinistische Evolutonstheorie bis zur heutigen, synthetischen Evolutionstheorie. Wichtige Schritte dahin waren unter anderem die mendelsche Vererbungslehre und die Entdeckung und Strukturaufklärung des Erbmoleküs der Desoxyribonukleins6auml;r (DNS) durch James Watson & Francis Crick, sowie die damit verbundenen weiteren populationsgenetischen und molekularbiologischen Erkenntnisse.
Bedingt durch die Probleme, die angenommene Konstanz der Arten in Linnés binominaler Nomenklatur mit den Erkenntnissen der modernen Biologie zu vereinigen, gab es bereits seit einiger Zeit Bemühungen, die binominale Nomenklatur Linnés mit einer phylogenetischen Systematik zu vereinigen. Zwei bereits recht weit ausgereifte Entwürfe zur Lösung der Probleme stellen die Regularien des BioCode respektive PhyloCode dar. Zum Teil stellen sie lediglich eine Formalisierung von bereits seit längerem in der Praxis üblichen Verfahrensweisen dar.

Belegstellen, weiterführende Literatur und externe Links

  1. Costa, Wilson J. E. M. (2004): Relationships and redescription of Fundulus brasiliensis (Cyprinodontiformes: Rivulidae), with description of a new genus and notes on the classification of the Aplocheiloidei. In: Ichthyological Exploration of Freshwaters Vol. 15 (2), pp. 105-120.
  2. Costa, Wilson J. E. M. (2004a): Kryptolebias, a substitute name for Cryptolebias Costa, 2004 and Kryptolebiatinae, a substitute name for Cryptolebiatinae Costa, 2004 (Cyprinodontiformes: Rivulidae). In: Neotropical Ichthyology Vol. 2 (2), pp. 107-108.
  3. Intenational Commission on Zoological Nomenclature (ICZN)
  4. INTERNATIONAL CODE OF ZOOLOGICAL NOMENCLATURE online
  5. Linneus, C. (1753): Species plantarum
  6. Linneus, C. (1758): Sytema naturae
  7. Clemens Werner, F. (2008): Wortelemente lateinisch-griechischer Fachausdrücke in den biologischen Wissenschaften. Suhrkamp. ISBN 9783518365649

weiterführende Literatur:

  • Schmettkamp, W. (1985). Die Namen unserer Aquarienfische. Landbuch, Hannover. ISBN 3-784-203116
  • Lewis, P. (1995): Naming Cichlids, It’s Latin to Me. In: Buntbarsche Bulletin 171 (12/1995) pp. 8-18 Atikel online lesen

externe Verweise auf Diskussionsfäden in Foren und Newsgroups: