Was ist eine Wasserpflanze?

Der Alltagsbegriff „Wasserpflanzen“ umfasst im weitesten Sinn alle im Wasser lebenden Pflanzen und damit sowohl mit bloßem Auge sichtbare (Makrophyten) als auch mikroskopisch kleine (Mikrophyten).
Bevor wir uns eingehender mit der Biologie der Wasserpflanzen befassen, muss zuerst die Frage beantwortet werden, was überhaupt eine Wasserpflanze ist. Welche Pflanzen zählen also zu den Wasserpflanzen?
Um die Frage zu beantworten, schauen wir uns zunächst Definitionen des Begriffs Wasserpflanze aus allgemeinkundigen Quellen an.
Meist wird der Begriff „Wasserpflanzen“ etweder mit dem Fachbegriff Hydrophyten oder aber (aquatische) Makrophyten übersetzt. Erstere sind dabei eine Teilmenge letzterer. Makrophyten sind alle Wasserpflanzen, die mit bloßem Auge – also ohne optische Hilfsmittel wie Lupe oder Mikroskop – sichtbar sind. Den Makrophyen gegenüber stehen die Mikrophyten, die ausschließlich mit optischen Hilfsmitteln sichtbar sind. Der Begriff Wasserpflanzen im weitesten Sinn umfasst also alle aquatischen Makrophyten und Mikrophyten. Die weitgefasste Definiton des Begriffs „aquatische Makrophyten“ wird auch in der Fachliteratur benutzt, wie man an folgender Passage gut erkennen kann:

„Die Bezeichnung „Makrophyten“ wird in der Limnologie für makroskopisch, d.h. ohne optische Hilfsmittel, sichtbare Wasserpflanzen verwendet. WIEGLEB (1988) fasst unter dem Begriff die Pflanzengruppen der makrophytischen Grün-, Rot- und Braunalgen, der Characeen, Laub- und Lebermoose sowie die hydrophytischen und helophytischen Gefäßpflanzen zusammen.“

[ Meilinger, P. (2003): Makrophyten als Bioindikatoren zur leitbildbezogenen Bewertung von Fließgewässern: ein Beitrag zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie, S.5]

Der Wikipediaeintrag Wasserpflanze setzt den Alltagsbegriff Wasserpflanze mit dem Fachbegriff Hydrophyten gleich und definiert beide als Pflanzen, die ganz oder teilweise unter Wasser leben. Beim Lernportal für das Fach Biologie steht zu Wasserpflanzen ähnliches:

„Zu den Wasserpflanzen oder auch Hydrophyten (griech. hydor = Wasser; phytos = Pflanze) gehören jene Pflanzen, deren Lebensraum sich unter Wasser, auf dem Wasser, am Ufer oder in Sümpfen befindet. Hydrophyten sind speziell an ihren Lebensraum angepasst:“

[Lernportal für das Fach Biologie: Wasserpflanzen (Hydrophyten)]

Die Bedeutungsgleichsetzung des Begriffs „Wasserplfanzen“ mit dem Begriff „Hydrophyten“ bei gleichzeitiger Listung des Begriffs „Hydrophyten&blquo; als Kategorie innerhalb des Oberbegriffs „Wasserpflanzen“ ist irreführend und streng genommen auch sachlich nicht korrekt.
Wilstermann-Hildebrand[1] definiert Wasserpflanzen als alle Pflanzen, die submerse Pflanzenteile haben, auch wenn sie zeitweilig trockenfallen können oder sogar Trockenzeiten für das Erreichen ihrer generativen Phase benötigen.
Auch die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)[2] versteht unter dem Begriff Wasserpflanzen ausschließlich submerse Pflanzen […] schwimmende und Schwimmblattpflanzen [sowie] submerse, langfristig überlebensfähige Formen von Sumpf- und Röhrichtpflanzen.
Auf den Seiten der Universität Ulm[3] definiert man den Begriff Wasserpflanze vergleichbar als Pflanzen mit Anpassungen an das Leben „im“ Wasser [wozu] […] ausser den eigentlichen submerse [sic!] Pflanzen die Wasserpflanzen mit Schwimmblättern, die Schwimmpflanzen und die Sumpfpflanzen (= Helophyten). zählen.
Im Eintrag „aquatic plant“ der englischen Wikipedia wird der Begriff „Aquatic plant“ wie folgend definiert:

„Aquatic plants are plants that have adapted to living in aquatic environments (saltwater or freshwater): They are also referred to as hydrophytes or macrophytes.“

[englische Wikipedia: aquatic plant]

Wasserpflanzen

Der Begriff Wasserpflanze kann sowohl in den weiter gefassten Begriff aquatische Makrophyten als auch den enger gefassten Begriff Hydrophyten übersetzt werden.
Unter dem Begriff (aquatische) Makrophyten werden die semiterrestrischen eigentlichen Sumpfpflanzen (Helophyten), die amphibischen Sumpfpflanzen (Amphiphyten), die eigentlichen Wasserpflanzen (Hydrophyten), die aquatischen Moose sowie die Großalgen und Armleuchteralgen (Charaphyceae) zusammengefasst. In einigen Definitionen werden auch im und am Wasser lebende Bäume wie die Sumpfzypressen zu den aquatischen Makrophyten gerechnet.
Die Makrophyten teilen sich selbst wieder in weitere Pflanzengruppen auf, welche sich jeweils durch gemeinsame Merkmale kennzeichnen. Dabei handelt es sich um eine Klassifizierung von Pflanzen anhand ihrer anatomischen und physiologischen Anpassungen an die ökologischen Bedingungen einer aquatischen Lebensweise.
Die aquatischen Makrophyten lassen sich in obligate und fakultative Unterwasserpflanzen sowie fakultative sowie obligate Uferpflanzen aufteilen. Wärend obligate Unterwasserpflanzen keine emersen Wuchsformen ausbilden und immer im Wasser wachsen, können viele fakultative Unterwasserpflanzen bei ausreichender Bodenfeuchte auch wie Landpflanzen außerhalb des Wassers vorkommen. Fakultative Uferpflanzen sind gleichzeitig fakultativen Unterwasserpflanzen. Sie werden daher auch als amphibische Sumpf-/Wasserpflanzen oder Amphiphyten bezeichnen. Amphiphyten leben entweder abhängig vom Wasserstand sainonal als Sumpf- bezeichungsweise (Unter)wasserpflanzen. Viele Amphiphyten besiedeln auch die Uferzone von Gewässern und bilden hier Bestände, die sowohl aus untergetauchten als auch emergenten und emersen Pflanzen bestehen.
Man unterscheidet deshalb auch in untergetauchte (submerse) und zumindest potenziell über die Wasseroberfläche hinausragende (emergente) aquatische Makrophyten. Als dritte Gruppe werden die auf der Wasserfläche oder im Wasserkörper frei treibenden aquatischen Makrophyten (Schwimmpflanzen, Pleustophyten) betrachtet.
Der Begriff Wasserpflanzen im engsten Sinn entspricht dem Begriff Hydrophyten oder eigentliche Wasserpflanzen. Der Begriff Hydrophyten umfasst allein solche Arten, die dauerhaft im oder auf dem Wasser leben.
Eine Mittelstellung nimmt die Kategoriserung nach der Fähigkeit, unter Wasser dauerhaft assimilationsfähig zu sein – also unter Wasser dauerhaft Photosynthese betreiben können – oder aber anderweitig dauerhaft im Wasser leben zu können, wie die auf der Oberfläche treibenden Pleustophyten. Diese Definiton umfasst also sowohl die Hydrophyten als auch die meisten Amphiphyten, schließt aber die Helophyten aus.
Viele Amphiphyten gelingt die Unterwasserassimilation mittels angepasster Tauch- oder Unterwasserblätter. Allerdings bilden viele Amphiphyten und Nymphaeiden, wenn die Bedingungen (Wasserstand) es erlauben oder erfordern (Licht, Nährstoffe), trotz dieser Fähigkeit auch oder ausschließlich Schwimm- oder Luftblätter aus, weil sie die Unterwasser-Assimilation weniger gut beherrschen. Bei manchen Arten wie Rannunculus spp. treten dabei auch unterschiedliche Blattformen – mitunter auch auch gleichzeitig – an ein und der selben Pflanze auf. Dieses Phänomen wird als Heterophyllie oder Verschiedenblättrigkeit bezeichnet.
Der Begriff Sumpfpflanze beschreibt sowohl Amphiphyten als auch Helophyten. Helophyten können zwar in untergetauchtem Substrat wurzeln, nur wenige Arten können aber dauerhaft unter Wasser überleben, da sie keine dazu nötigen Anpassungen zur Unterwasser-Assimilation aufweisen.
Zum Abschluss ein hirarchischer Überblick der einzelnen Pflanzengruppen, welche kollektiv als Wasserpflanzen bezeichnet werden:

  • Wasserpflanzen (aquatische Makrophyten)
    • (litorale) Helophyten – mit dem Ufer verbunden, semiterrestrisch/semiaquatisch
    • Amphiphyten – amphibisch
      • Tauchblätter, Luftblätter oder Schwimmblätter;
      • unterschiedliche Blattformen je nach Standort, aber mitunter auch gleichzeitig verschiedene Blattformen an einer Pflanze (Heterophyllie)
      • sowohl submerse, emergente als auch emerse Wuchsformen
    • Hydrophyten – aquatisch
      • Pleustophyten – frei auf der Wasseroberfläche (Acropleustophyten) oder im Wasserkörper (submerse Pleustophyten) treibend
      • Rhizophyten – im Substrat wurzelnd
        • submerse Rhizophyten – im substrat wurzelnd, Tauchblätter
        • Nymphaeiden (Schwimmblattpflanzen) – im Substrat wurzelnd, mit Schwimmblättern

Fazit und Schlusskommentar

Der Begriff „Wasserpflanzen“ ist vage und lässt sich nicht eindeutig in einen gut definierten Fachbegriff übersetzen.
Je nachdem, ob man Wasserpflanzen als aquatische Makrophyten oder Hydrophyten übersetzt, umfasst der Begriff ein mehr oder weniger breites Spektrum von unterschiedlich stark und auf unterschiedliche Weise an die aquatische Lebensweise angepasster und an Standorte im Wasser oder zumindest in Wassernähe gebundener Pflanzenarten.
Wasserpflanzen sind aber nicht lediglich obligate Unterwasser- oder Tauchblattpflanzen wie Vallisnerien, Hornblatt oder Wasserpest, die gänzlich und ausschließlich submers leben, meist mit Ausnahme von Blüten und Fruchständen.

Belegstellen, weiterführende Literatur und externe Links

  1. Wilstermann-Hildebrand, M. (o.J.): Die Biologie von Wasserpflanzen(abgerufen am 23.09.2013)
  2. Gerniel, A. (2005): Die Bedeutung der Wasserpflanzen für den guten ökologischen Zustand der Fließgewässer. Kieler Institut für Landschaftsökologie. (abgerufen am 23.09.2013)
  3. Hoppe, J. R., Abteilung Spezielle Botanik, Universität Ulm: Allgemeine Botanik, Teil II: Kormusanpassungen (abgerufen am 23.09.2013)

weiterführende Literatur:

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